Wasser ist viel mehr als nur Schwimmen!

Aqua-Workout im Freibad hilft Menschen, die gelenkschonend trainieren wollen oder müssen.

Es gibt viele gute Trainingspartner. Die Freundin oder den Kumpel, der/die immer Zeit, immer gute Laune und immer eine lockere, motivierende Art mitbringt. Der Star im Team, der dich dazu bringt, einfach noch einmal eine Schippe draufzulegen. Oder der Trainer, der auf fast magische Art genau spürt, was Du heute zu leisten imstande bist, der Dich an die Grenze bringt, aber nie zerstört.

Und dann gibt es Wasser!

Ja, nicht lachen und nicht den Kopf schütteln. Wasser ist ein idealer Trainingspartner. Nicht nur in bzw. aus der Sportler-Trinkflasche, also, wenn es darum geht, dass wir hydriert bleiben und das Programm flüssig zu Ende bringen.

Nein, Wasser ist einfach für uns da und greift uns unter die Arme. Wir müssen es nur zulassen.

Bei diesem Thema ist Christine Westerhorstmann in ihrem Element. Als Physiotherapeutin bei MediFit Jürgen Weber kennt sie sich genauso mit Training im Wasser aus wie als Triathletin beim 1. FC Kaiserslautern. Eine Dreikämpferin übrigens, die über ihre Lust am Schwimmen die beiden anderen Disziplinen – Radfahren und Marathon – anging.

„Es ist einfach so“, erklärt die 35-Jährige, „das wir als Menschen oft das Naheliegende übersehen. Bei vielerlei Einschränkungen in Bezug auf den Bewegungsappart ist Wasser ein schönes Element, um sich und dem Körper zu helfen. Arthrose geplagte Menschen finden oft Entlastung im Wasser. Ebenso kann nach einer Operation, nach Abheilung und Verschluss der Narbe, das Wasser optimal genutzt werden um den Bewegungsapparat und die Muskeln wieder zu stärken. Denn viele Menschen, deren Bewegungsapparat eingeschränkt ist – aus welchen Gründen auch immer – leiden darunter, dass sie ja kaum etwas tun können. Das Erkennen, dass es einen anderen, achtsamen Weg gibt, hilft in der Nachsorge ungemein.”

Das Geniale am Training im Wasser ist die Auftriebskraft: „Man spürt das eigene Körpergewicht kaum mehr, hat keine Impact-Belastungen und kann ein super schonendes Aufbautraining absolvieren.“

Bis zu 90 Prozent der Körpergewichts trägt die Auftriebskraft!

Die Auftriebskraft entspricht der Masse des verdrängten Wassers. Sie hängt also von den Körpermaßen genauso ab wie von der Eintauchtiefe. Logisch: Wer nur bis zu den Knien im kühlen Nass steht, spürt kaum etwas. Wer sich hingegen dem H2O einfach mal hingibt, kann sich – Methode „Toter Mann“ – sogar komplett tragen lassen.

Pi mal Daumen ein Zehntel des Körpergewichts wird demnach nur noch wirksam, wenn man bis zum Hals im Wasser steht. Komfortable Gymnastik und sportliche Bewegungen sind bei einem Eintauchen bis zur Brusthöhe garantiert. Der Gang ins Wasser ist die logische Alternative. Egal ob für leichte Gymnastik- und Kraftübungen oder fürs Aqua-Jogging. Einfach für all jene Übungen, die auf dem Sportplatz noch nicht wieder möglich sind.

Physiotherapeutin Chrissi Westerhorstmann

„Gelenkschonendes Training heißt das Zauberwort“, sagt die immer positive Powerfrau. „Damit können sich Arthrose-Patienten, schmerzgeplagte Patienten und übergewichtige Patienten wunderbar betätigen und an ihrer Rehabilitation arbeiten. Und durch den Wasserdruck ist eine Lymphdrainage quasi automatisch mit dabei!“

Also nichts wie ab ins Freibad. Chrissi Westerhorstmann motiviert dazu: „Natürlich ist es im Winter mit ein bisschen Organisation verbunden. Das richtige Hallenbad finden, wo man – mit Kurs oder eben auch mal ohne – im Wasser an sich arbeiten kann. Aber jetzt im Sommer ist es doch total easy. Badesachen einpacken, ein paar schöne Stunden machen und seinem Körper etwas Gutes tun.“

Das geht von ein paar Minuten Übungen bis hin zu wirklicher Belastung: „Mit Aqua-Jogging kann auch der Kreislauf trainiert werden. Da geht die Pumpe schon ein bisschen, wenn man das mal 20 bis 30 Minuten macht. In den USA ist es fester Bestandteil für Spitzenathleten, vor allem in Verletzungsphasen – weil der Impact, die Stoßbelastung auf Gelenke und Knochen, minimiert wird. Das heißt, neben dem ganzen Ackern im normalen Sportumfeld, das Gelenke und Sehnen belastet, kann ein Top-Sportler noch ganz schonend und erfrischend trainieren.“

Auch Triathlon-Star Jan Fredeno nutzt Aqua-Jogging zur Regeneration

Ganz schön cool oder? Das müsste die letzten piefigen Bilder von Wassergymnastik-Gruppen in engen Hallenbädern aus den Köpfen löschen. Für die Physiotherapeutin zählen solche Argumente sowieso nicht. „Ich sage meinen Patienten immer, dass sie für sich selbst denken sollen. Wenn nur wenig geht, ist das Wenige umso wichtiger, um ein bisschen mehr und dann immer mehr tun zu können. Außerdem würde ich beim Wörtchen ‘cool’ gerne Jan Frodeno in den Zeugenstand rufen.“

Jan Frodeno! Ein Name, der in der Triathlon-Szene mit Ehrfurcht ausgesprochen wird. Olympiasieger 2008 in Peking und dreimaliger Iron-Man-Gewinner auf Hawaii. Momentan aber leider verletzt. Eine Achillessehnen-Teilruptur zwingt ihn – weil er nicht richtig laufen kann – zum Aufbautraining

Und! Das! Findet! Im! Wasser! Statt!

Der 40-jährige Superstar der Szene kokettiert sogar noch damit. „Aqua-Jogging so wie es in den 1980ern üblich war …“ Chrissi Westerhorstmann aber lacht darüber: „Wer Frodeno und seinen wahnsinnigen Ehrgeiz kennt, der weiß, dass das nur die Konkurrenten von seinem Comeback-Willen ablenken soll. Er macht genau das, was er machen muss, um möglichst schnell wieder fit zu werden.“

Also: Trainieren wie ein Olympiasieger – das ist Aqua-Jogging, das sind alle Workout-Einheiten im Wasser. Einfach eine coole Hilfe! Und nur eine kurze Fahrt ins Freibad entfernt!

Fotos: Imago, privat, Instagram

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