Heiß und kalt – Der Kampf des Julian Rauchfuss um Weltcup-Punkte

Layenberger-Athlet Julian Rauchfuss in voller Aktion.

Manchmal ist das Glück nur einen Wimpernschlag entfernt. Auch wenn die irrwitzige Fahrt bei Tempo 100 auf zwei schmalen Brettern gar keine Bewegung der Augenlider zulässt. Aber dann, im Zieleinlauf des Riesenslaloms von Adelboden (Schweiz), musste Julian Rauchfuss erkennen, dass er die Qualifikation für den zweiten Durchgang nur um 43 Hundertstelsekunden verpasst hatte.

Der Wimpernschlag dauert laut Wikipedia 30 bis 40 Hundertstel – aber im Alpinen Ski-Weltcup zählt kein Erklärungsmodell, es zählt nur das nackte Ergebnis.

„Dann stehst du im Zielhang, nach dem Abbremsen, die der ganze Körper brennt noch vor Anstrengung, aber dein Gehirn sagt nur: Mist!“, lässt sich der 28-jährige Layenberger-Athlet in die Rennfahrer-Seele gucken. „Mein bestes Rennen in dieser Saison im Weltcup, aber knapp vorbei ist eben auch daneben.“

Ein paar Tage später kann der Olympia-Silbermedaillengewinne von Peking 2022 schon wieder ein bisschen darüber lachen. Aber natürlich nervt ihn die bisherige Saison, in die er nach der Vorbereitung mit großem Optimismus gestartet war.

„Den ganzen Sommer und vor allem im Trainingslager in Argentinien hat sich alles wunderbar angefühlt. Ich war sicher, dass ich mich aus den hohen Startnummern nach vorne arbeiten und Weltcup-Punkte holen kann.“ Aber auch im fünften Riesenslalom der Saison musste Julian nach zuvor durchwachsenen Leistungen mit der Nr. 54 antreten. Was nichts anderes heißt, als dass die Piste schon 53-mal von anderen Startern umgepflügt wurde.

„Das ist so in unserem Sport, damit muss jeder umgehen können, der nach vorne kommen will. Und ich persönlich sehe ja gerade das als Herausforderung. Jeder Platz nach vorne bringt dich zu besseren Bedingungen.“

Noch aber ist dieser Plan für den Naturburschen aus dem Allgäu nicht aufgegangen. Was das große Grübeln auslöst.

Julian Rauchfuss mit einem seiner Layenberger-Lieblingsprodukte - dem High Protein Shot Double Choc!
Julian Rauchfuss mit einem seiner Layenberger-Lieblingsprodukte – dem High Protein Shot Double Choc!

„Ich kann beim besten Willen keinen einzelnen Punkt finden, der meine Gesamtsituation erklärt. Vielleicht wollte ich in dem einen oder anderen Rennen zu früh zu viel. Aber die Weltspitze ist so eng, so brutal eng, dass du es eigentlich vom ersten Meter an krachen lassen musst.“

Das sagt sich so leicht, aber hinter dem Live- oder TV-Spektakel stehen irre Zahlen. Der Riesenslalom zählt zu den technischen Disziplinen, in denen Fahrtkunst und Geschwindigkeit untrennbar verbunden sind – während es zum Beispiel bei der Abfahrt vorwiegend ums Tempobolzen geht. (Keine Kritik an den Abfahrern, die ebenfalls Weltklasse-Skifahrer sind, nur eine Einordnung!)

Heidewitzka, Herr Kapitän, und volle Pulle – in jedem einzelnen Rennen

Aber Riesenslalom heißt eben trotzdem, in knapp 80 Sekunden auf einer Streckenlänge von zum Beispiel 1290 Metern um 420 Meter in die Tiefe zu rasen. Fünf Meter pro Sekunde geht es auf dem Chuenisbärgli in Adelboden nach unten – heidewitzka, Herr Kapitän!

Jetzt haben wir Julian Rauchfuss doch zum Lachen gebracht! „Heidewitzka“, wiederholt er. „Bei jedem einzelnen Lauf in jedem einzelnen Rennen. Volle Pulle!”

Im Riesenslalom starten pro Weltcup-Rennen über 60 Athleten (Höchstwert bei den ersten fünf Riesenslaloms: 69) – nur 30 dürfen am zweiten Durchgang teilnehmen. Genau diese 30 erhalten dann auch Weltcup-Punkte. Je besser die Resultate, desto niedriger wird die Startnummer – und (wie erwähnt) desto besser die Streckenverhältnisse.

„Genau das macht den Reiz aus“, bekräftigt der A-Kader-Athlet, der im Berner Oberland die Punkt-Landung so hauchdünn knapp verpasste. „Das Erfolgserlebnis kann in jedem Rennen kommen. Das Warten darauf, die Gier, es zu zeigen – das nervt eben.“

Umso mehr freute sich Julian Rauchfuss über ein Telefonat Anfang des neuen Jahres. Michael Weinand, Eigentümer der Layenberger Nutrition Group GmbH, klingelte durch und machte dem in diesem Winter noch die Sonne suchenden Alpin-Star Mut.

Der Winter ist noch lange nicht vorbei für Layenberger-Athlet Julian Rauchfuss.
Der Winter ist noch lange nicht vorbei für Layenberger-Athlet Julian Rauchfuss.

„Der Anruf kam völlig überraschend und hat mir richtig gut getan. Die Botschaft war einfach: Solche Phasen gibt es im Sport. Weiter machen. Weiter kämpfen. Dann platzt der Knoten.“

Für uns bei Layenberger eine Herzenssache, für Julian Rauchfuss eine zusätzliche Motivation.

Bessere Zeiten werden kommen. Manchmal reicht ja schon die Verbesserung um einen Wimpernschlag …

Aufmacher-Bild von Tirol-Foto Spiess

Artikel-Fotos: privat

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